Wohin geht die Damenriegenreise? Niemand weiss es.
Wann wurdest du das letzte Mal richtig überrascht? Also nicht von einer Nachricht auf dem Handy oder von einer Terminänderung im letzten Moment. Sondern von einer echten Überraschung. Einer, bei der man vorher nicht weiss, was einen erwartet.
Solche Momente sind selten geworden. Wir planen, vergleichen, recherchieren und lesen Bewertungen. Oft wissen wir schon vor den Ferien, wie das Hotelzimmer aussieht und was im Restaurant auf der Speisekarte steht. Oder wann hast du zuletzt ein Buch gelesen, ohne vorher den Klappentext, die Rezensionen und die Sternebewertung zu studieren?
Einmal im Jahr gönnen wir Damen des Turnvereins uns jedoch etwas Ungewohntes: Wir lassen uns überraschen.
Beim Reiseweekend kennen nur die beiden Organisatorinnen das Ziel und das Programm. Alle anderen steigen mit gepacktem Rucksack in die beiden Kleinbusse und vertrauen darauf, dass es gut kommt. Für die einen ist das eine Herausforderung, für die anderen die schönste Sache überhaupt. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Schliesslich ist es eine gute Übung fürs Leben: Sich auf Unbekanntes einlassen, Erwartungen loslassen, einsteigen und darauf vertrauen, dass andere einen guten Plan haben.
Denn während sonst oft jede Minute unseres Alltags organisiert ist, genügte an diesem Wochenende eine Information: Abfahrt 7.00 Uhr beim Froburgparkplatz. Die Abfahrt verzögerte sich dann allerdings etwas, weil sich eine Turnerin am Morgen nicht vom Wecker überraschen liess.
So sassen wir also im Bus und rätselten bereits auf dem Weg nach Wangen: rechts oder links? Der Weg führtr rechts, ins Berner Oberland nach Isenfluh. Dort liessen wir uns mit der Gondel nach Sulwald schaukeln und nahmen anschliessend die erste Etappe bis zur Lobhornhütte unter die Füsse. Auf der Höji Sulegg hatten wir einen fantastischen Ausblick auf den Brienzer- und den Thunersee. Dann war Trittsicherheit gefragt: Es ging über den Grat zu den Lobhörnern. Beim Baden im Sulsseeli überraschten sich viele wohl selbst – nur so viel sei hier verraten.
Nach dieser willkommenen Abkühlung machten wir uns auf den Weg zur Lobhornhütte, wo bereits der gemütliche Teil des Tages auf uns wartete. Apéröle, feine Spaghetti, Plaudern und zusammen spielen – was will man mehr nach einem tollen Wandertag? Als wir später in die Schlafsäcke krochen, blieb nur eine Frage offen: Was haben Chrige und Brige für morgen geplant?
Genau das macht den Reiz der Riegenreise aus. Wer nicht weiss, was kommt, kann auch keine Erwartungen haben. Und wird dafür umso häufiger positiv überrascht.
So machten wir uns am Sonntag erneut ohne festen Plan auf den Weg Richtung Sulwald. Dabei genossen wir noch einmal das wunderschöne Bergpanorama, kauften auf der Alp den Käsevorrat leer und stärkten uns bei Kaffee oder Panaché an der Sonne.
Da wir unten im Lauterbrunnental links abbogen konnten wir die Trümmelbachfälle oder Skydiving ausschliessen. In Thun liessen wir die «Blüemlisalp» am Schiffsteg liegen und steuerten stattdessen eine Pizzeria an. Danach ging es ins Schloss wo wir bei «Her Story» spannendes über starke (und schwach gehaltene) Frauen erfuhren und einmal mehr an diesem Wochenende einen spektakulären Ausblick hatten.
Mit einer feinen Glace in der Hand und den Füssen in der Aare liessen wir diese schöne Reise schliesslich ausklingen. Auch die «geheimen Missionen», die jede Turnerin während der Riese zu erfüllen hatte, wollten noch aufgelöst werden. Und so blieb bis zum Schluss noch etwas von dem erhalten, was diese Reise jedes Jahr besonders macht: die Freude am Nichtwissen.
Vielleicht braucht es manchmal gar nicht mehr als das: Einsteigen, losfahren, sich überraschen lassen und darauf vertrauen, dass zwei Reiseleiterinnen einen sehr guten Plan haben!
Ein herzliches Dankeschön an Chrige und Brige für die vielen gelungenen Überraschungen und diese tolle Riegenreise!
Mirjam
